Es gab mal eine Phase in unserem Leben, so mit 11 – 14, als wir uns unbedingt auch äußerlich voneinander unterscheiden wollten. Wir weigerten uns hartnäckig, genau die gleichen Sachen anzuziehen, kämmten uns auch unterschiedlich die Haare und wollten auch unser gemeinsames Kinderzimmer in zwei getrennten Farben gestalten.
Das Problem war nur, damit hörten die Verwechseleien außerhalb des Hauses nicht auf. Zwar sahen wir jetzt unterschiedlich aus, dennoch wusste niemand gleich auf Anhieb, wer von uns beiden Nina und wer Claudia ist. Zwar gab es daraufhin weniger Verwechselungen, doch am nächsten Tag mit anderen Klamotten ging das ganze wieder von vorne los. Erschwerend kam noch hinzu, dass wir eigentlich beide die gleichen Lieblingsanziehsachen hatten und dass immer eine darauf verzichten musste, wenn die andere sie trug. Das waren unsere lilafarbenen Jeans, dazu die gelben oder grünen T-Shirts mit den Ärmeln aus Plissee und dazu noch eine coole Jeansweste. Und so glichen wir uns irgendwann in Punkto Outfit wieder an.
Unser Zimmer jedoch wollten wir schon ein wenig umgestalten. Es waren ja immer noch die kindischen Gardinen mit den Teddys an den Fenstern, außerdem wollten wir nicht mehr im Doppelstockbett schlafen, sondern jede ein einzelnes Bett auf ihrer Seite des Zimmers haben. Es war ja groß genug, mit 2 Fenstern auf jeder Seite und einem großen Tisch in der Mitte. Und so wollten wir unsere Eltern überzeugen, jeweils den Teppichboden, die Wände und die Rollos in zwei verschiedenen Farben zu gestalten. Nina auf der linken Seite in Türkis und Claudia auf der rechten Seite in Grün. Alles – bloß kein Rosa mehr.
Das fanden unsere Eltern aber unmöglich. Wir bekamen zwar neuen Teppichboden, aber nur einfarbig in Grün. Allerdings konnten wir uns bei der Wandfarbe und so auch bei der Fenstergestaltung einigen. Nina bekam eine türkisfarbene Wand mit einem grünen Rollo und Claudia ihre grüne Wand mit einem türkisfarbenen Rollo. Das sah ziemlich cool und stylisch aus und unsere neuen weißen Möbel passten wunderbar hinein. Jeder, der uns besuchte, war von diesem Farbenmix beeindruckt. Es sei irgendwie verrückt und doch harmonisch. So wie wir beide eben auch sind.